Kamillentee: Wirkung, Zubereitung und Grenzen
2 Min. Lesezeit 02.09.2026
Kamillentee ist eines der ältesten Hausmittel im deutschen Sprachraum. Was er leisten kann, hängt stärker von der Zubereitung ab, als die meisten vermuten.
Dieser Artikel erklärt, was in der Blüte steckt, wie der Aufguss gelingt und wo die Grenzen liegen.
Was in der Blüte steckt
Die Echte Kamille, botanisch Matricaria recutita, enthält drei Gruppen von Inhaltsstoffen, die sich in ihrem Verhalten deutlich unterscheiden.
Das ätherische Öl macht den charakteristischen Geruch aus. Es enthält unter anderem Bisabolol und Matricin. Es ist nur wenig wasserlöslich und dazu flüchtig.
Die Flavonoide, allen voran Apigenin und seine Zuckerverbindungen, gehen gut in heißes Wasser über.
Die Schleimstoffe machen rund ein Zehntel der getrockneten Blüte aus. Sie lösen sich ausschließlich in Wasser und legen sich als feiner Film auf die Schleimhaut.
Warum die Zubereitung zählt
Weil das ätherische Öl flüchtig ist, entscheidet der Deckel darüber, wie viel davon in der Tasse ankommt. Ohne Abdeckung steigt es mit dem Dampf auf.
So gelingt der Aufguss: Einen gehäuften Teelöffel getrockneter Blüten, etwa drei Gramm, mit 150 Millilitern kochendem Wasser übergießen. Zudecken. Fünf bis zehn Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
Lose Ware ist Teebeuteln in der Regel überlegen, weil ganze Blüten weniger Oberfläche für Verluste bieten als stark zerkleinertes Material. Wichtiger als die Form ist allerdings, dass die Blüten trocken, dunkel und gut verschlossen gelagert werden. Ein Beutel, der ein Jahr offen im Küchenschrank stand, hat kaum noch ätherisches Öl.
Arzneitee oder Tee aus dem Regal
Beides heißt Kamillentee, unterliegt aber unterschiedlichen Regeln.
Arzneitee aus der Apotheke muss die Monographie des Arzneibuchs erfüllen. Diese schreibt unter anderem einen Mindestgehalt an ätherischem Öl vor und regelt die Prüfung auf Verunreinigungen.
Lebensmitteltee muss nur den lebensmittelrechtlichen Anforderungen genügen. Ein Mindestgehalt an Inhaltsstoffen ist dort nicht festgelegt. Für die Tasse am Abend spielt das keine Rolle. Wer Kamille gezielt einsetzen will, sollte den Unterschied kennen.
Wo Kamillentee an Grenzen stößt
Menschen mit einer Allergie gegen Korbblütler, etwa gegen Beifuß oder Ambrosia, können auch auf Kamille reagieren.
Für Augenspülungen ist ein häuslicher Aufguss ungeeignet. Er ist nicht keimfrei und enthält Schwebstoffe, die die Bindehaut zusätzlich reizen.
Und ein Tee ersetzt keine Abklärung. Beschwerden, die länger als zwei Wochen anhalten, sich verschlimmern oder regelmäßig wiederkehren, gehören ärztlich untersucht, unabhängig davon, wie gut die Tasse zwischendurch tut.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung.
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Quellen & Hinweise
- Europäisches Arzneibuch: Monographie Matricariae flos.
- Europäische Arzneimittel-Agentur, Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel: Assessment report on Matricaria recutita L., flos. ema.europa.eu


